Postwachstumsökonomie

Mit dem Erreichen der bio-physikalischen Grenzen wird erkennbar, dass mit der ökonomischen Wertschöpfung zugleich eine ökologische „Misswertschöpfung“ [1] einhergeht, da jede Ausdehnung des Ressourcenverbrauch ohne einen Rückbau an anderen Stellen den Niedergang der Natur beschleunigt, so dass das vorherrschende wachstumsorientierte  Wohlstandsmodell hinterfragt werden muss. Das Konzept der Postwachstumsökonomie orientiert sich an den drei Nachhaltigkeitsstrategien (Suffizienz-, Effizienz- und Konsistenzstrategie) und einem radikalen Rückbau der Fremdversorgung, d. h. industrieller, insbesondere global arbeitsteiliger Wertschöpfungsprozesse,  zugunsten einer Stärkung lokaler und regionaler Ökonomien, Selbstversorgung und Eigenproduktion (Subsistenz) [2, 3].

Suffizienz, Subsistenz, Regionalökonomie, stoffliche Nullsummenspiele und institutionelle Innovationen als Basis der Postwachstumsökonomie [4]

 

Subsistenz  als die radikalste Form der Suffizienz findet in Postwachstumsgesellschaften dort ihren Platz, wo Menschen über wesentlich mehr Eigenzeit als heutzutage verfügen [5], denn bei einer schrumpfenden Wirtschaft muss die Arbeitszeit aller Beschäftigten durch Arbeitsumverteilung verkürzt werden, wenn niemand seinen Arbeitsplatz verlieren soll [6]. Neben einer Verkürzung der Arbeitszeit, einer gerechteren Verteilung der Einkommen und der Schaffung von Experimentierfeldern für andere Lebensstile werden eine geschlechtergerechte Verteilung von  bezahlter und unbezahlter Arbeit gefordert, wie dies seitens der feministischen Ökonomie vertreten wird. Das Wirtschaftswachstum in seiner derzeitigen Ausprägung basiert auf der patriarchalen, kapitalistischen Ausbeutung nichtmarktförmige Arbeit, wie der (weiblichen) Kindererziehung und der Pflegearbeit [3]. Die Subsistenzstrategie basiert auf den drei Lösungsansätzen der Nutzungsintensivierung durch gemeinschaftliche Nutzung, der Nutzungsdauerverlängerung und der Eigenproduktion [7]:

  1. Nutzungsintensivierung durch Gemeinschaftsnutzung
  2. Nutzungsdauerverlängerung und
  3. Eigenproduktion

 

[1] Wuppertal Institut, 2005: Fair Future. Begrenzte Ressourcen und globale Gerechtigkeit, Bonn: BpB.

[2] Prüss, J., 2014: Das Glossar der Neuen Ökonomie. In: Heinrich-Böll-Stiftung e.V. (Hrsg.): Böll THEMA 1-2014: Seitenwechsel, die Ökonomie des Gemeinsamen. 39–40, Berlin.

[3] Schmelzer, M., 2015: Spielarten der Wachstumskritik. Degrowth, Klimagerechtigkeit, Subsistenz - eine Einführung in die Begriffe und Ansätze der Postwachstumsbewegung. In: Bauer, B. (Hrsg.): Atlas der Globalisierung. Weniger wird mehr. 116–121, Berlin: Le Monde diplomatique (Kolleg 1 Postwachstumsgesellschaften).

[4] Rätz, W. (Hrsg.), 2011: Ausgewachsen! Ökologische Gerechtigkeit, soziale Rechte, gutes Leben ; ein Projekt von Attac, Hamburg: VSA-Verl.

[5] Hochstrasser, F., 2013: Konsumismus. Kritik und Perspektiven, München: Oekom-Verl.

[6] Schor, J. B., 2016: Arbeitsumverteilung. In: D'Alisa, G., Demaria, F. & Kallis, G. (Hrsg.): Degrowth. Handbuch für eine neue Ära. 197–200, München: Oekom-Verl.

[7] Paech, N., 2013: Wege aus der Wachstumsdiktatur. In: Welzer, H. & Wiegandt, K. (Hrsg.): Wege aus der Wachstumsgesellschaft, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch (Forum für Verantwortung).

 

Weitere wachstumskritische Ansätze

Attac Degrowth AG Berlin

Kolleg Postwachstumsgesellschaften

Degrowth Webportal

Transition Town Initiativen

Wohlstand ohne Wachstum

Postwachstumsökonomie